Nostalgie als Produktstrategie Notiz

Nostalgie als Produktstrategie

OpenAI und Anthropic setzen für ihre KI-Produkte auf Retro-Marketingtaktiken. OpenAIs Werbung zeichnet sich durch eine warme, analoge Ästhetik mit 80er-Jahre-Flair aus und bettet KI in nachvollziehbare Szenarien ein. Anthropic veranstaltet Pop-up-Events in einem Kiosk im Stil der Mitte des Jahrhunderts, bietet Markenartikel und Gespräche an. Diese Strategie nutzt bewusst emotionales Design, um KI als vertrauenswürdig und intim darzustellen, anstatt als rein disruptiv. Jüngste technologische Misserfolge haben die Öffentlichkeit gegenüber revolutionären Behauptungen und futuristischem Marketing misstrauisch gemacht.Das vertraute Aussehen und Gefühl dieser Kampagnen greift auf etablierte mentale Rahmen oder Schemata zurück, wodurch KI weniger fremd wirkt. So stimmt beispielsweise die Benutzeroberfläche von ChatGPT mit bestehenden Schemata für Messaging-Apps überein. Nostalgie kollabiert auch die Zeit und lässt die Zukunft der KI weniger bedrohlich erscheinen, indem sie mit angenehmen Erinnerungen an die Vergangenheit assoziiert wird. Dieser emotionale Ansatz dient als Wettbewerbsvorteil, wenn die zugrunde liegende KI-Technologie weitgehend vergleichbar ist.Durch die Nutzung von Vertrautheit und emotionalem Ton zielen diese Kampagnen darauf ab, das wahrgenommene Risiko im Zusammenhang mit KI zu reduzieren. Die Verwendung von taktilen Hinweisen wie VHS-Körnung oder Kaffeehaus-Settings dient als Stellvertreter für Vertrauen und ethische Zusicherungen. Dies wirft die Frage auf, ob Designer Vertrauen aufbauen oder herstellen. Letztendlich verdeutlichen diese Kampagnen, wie emotionales Design die Akzeptanz von Technologie beeinflussen kann, indem es abstrakte Konzepte menschlicher und zugänglicher macht und die Risikowahrnehmung prägt.
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