Die Auswirkungen von Kapitalanforderungen auf das Bankkapital
Diese Arbeit liefert die ersten kausalen Belege dafür, wie Banken ihre freiwilligen Kapitalpuffer (den Kapitalspielraum über dem geforderten Niveau) als Reaktion auf Änderungen der Kapitalanforderungen anpassen. Anhand granularer Daten aus dem Euroraum und unter Ausnutzung der schwellenwertbasierten Zuweisung von Puffern für andere systemisch wichtige Institute (O-SII) im Rahmen eines Regressions-Diskontinuitätsdesigns untersuchen wir die Passivseite der Bankbilanzen und ergänzen damit die auf die Aktivseite fokussierte Literatur über Kreditvergabe und Risikobereitschaft. Dies ermöglicht es uns zu beurteilen, ob die Kapitalregulierung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Banken wirksam ist, was wohl ihr Hauptziel ist. Wir stellen fest, dass Banken etwa die Hälfte der höheren Kapitalanforderungen durch Kürzung ihrer freiwilligen Puffer anstatt durch die Aufnahme von neuem Eigenkapital ausgleichen. Der ausgleichende Effekt ist bei Banken mit schwächeren Bilanzen, insbesondere bei solchen mit höheren notleidenden Krediten, stärker ausgeprägt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Regulierung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit nur teilweise wirksam sein mag, da Banken bestehende freiwillige Puffer nutzen, wenn sie höheren Anforderungen unterliegen.