Trafo-Haus Travemünder Allee in Lübeck, Deutschland
Als es 1938 gebaut wurde, hatte das kleine Gebäude die Funktion, Elektrizität für die damals vorbeifahrende Straßenbahnlinie umzuwandeln. Stilistisch ist die Architektur eher unbedeutend, ein geschlossener Raum für den Transformator, ein Satteldach und eine Veranda, unter der wartende Fahrgäste Schutz finden konnten.
Entstanden in einer Zeit, in der die Politik jede Faser des Alltags durchdrang, bestand das dreieckige Kunstwerk aus Darstellungen von zwei Bauern, einem Zimmermann, einem Waldarbeiter, einem Jäger und einem Postboten. Auch ein marschierender Soldat war zu sehen. Besonders auffällig war die Figur eines SA-Mannes mit einer wehenden Hakenkreuzfahne. Der Giebel des Kunstwerks wurde von einer Figur gekrönt, deren Form und Funktion auch auf den Originalbildern nicht bestimmt werden kann.
Mit dem Ende des Krieges und der Entnazifizierung verschwanden der SA-Mann und eine zweite Figur. Ebenfalls verschwunden sind die Waffen des marschierenden Soldaten und eine weitere Hakenkreuz-Schnitzerei.
An ihrer Stelle finden wir heute eine Mutter mit ihrem Kind und eine Frau, die wahrscheinlich eine Krankenschwester darstellt.
Die Schnitzerei wurde von dem Bildhauer Otto Mantzel aus Lübeck geschaffen, einem Künstler, der während der Nazi-Zeit sehr beliebt war. Nachdem die Straßenbahnlinie stillgelegt wurde, steht das Gebäude nun ohne Zweck und Funktion an einer stark befahrenen Landstraße und ist von dort aus nicht erreichbar. Trotzdem gelingt es ihm, die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich zu ziehen.
Es ist offiziell als Kulturdenkmal anerkannt.