Versteckte Schwächen: Die Rolle nicht realisierter Verluste bei der geldpolitischen Transmission
Diese Arbeit untersucht, wie sich nicht realisierte Verluste bei Bankwertpapieren zu fortgeführten Anschaffungskosten auf die geldpolitische Transmission auf die Bankkreditvergabe im Euroraum auswirken. Unter Ausnutzung des starken Zinsanstiegs zwischen 2022 und 2023 und anhand granularer Aufsichtsdaten zu Wertpapierbeständen und Kreditregisterdaten auf Kreditebene zeigen wir, dass ein Anstieg des Anteils nicht realisierter Verluste bei Wertpapieren zu fortgeführten Anschaffungskosten um einen Prozentpunkt den kontraktionären Effekt einer geldpolitischen Straffung auf das Kreditangebot um etwa einen Prozentpunkt verstärkt. Dieser Effekt ist bei schwach kapitalisierten und weniger liquiden Banken sowie bei Banken, die stärker auf unversicherte Einlagen angewiesen sind, ausgeprägter. Wir dokumentieren ferner, dass Banken auf steigende nicht realisierte Verluste reagieren, indem sie Kapital aufnehmen und Zinserhöhungen über höhere Einlagenzinsen an die Einleger weitergeben. Wichtig ist, dass Banken, die Zinsrisikomanagementstrategien anwenden, die negativen Auswirkungen nicht realisierter Verluste auf das Kreditangebot vollständig ausgleichen können. Die Kreditkontraktion ist für kleinere Firmenkunden besonders stark, was die ungleichen wirtschaftlichen Folgen versteckter Bilanzschwächen während eines Straffungszyklus hervorhebt.